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... - jetzt? - Lyge & Lürik


öFfNE diE L!tErATüR






Leseprobe aus buurens erstem Unveröffentlichten:


Er stand an dieser dämmerigen Theke, und Sabi, die er an seiner Seite im Arm hielt, blickte ihm tief in die Augen. „Was tun wir denn nun mit diesem angefangenen Abend?“ fragte sie ihn und schlürfte an ihrem Baileys. Ein angriffslustiges Lächeln umspielte ihre Lippen. Lippen, auf welchen sich jetzt ein neckisches Sahnedekor abgelegt hatte, das von ihrer Zunge auf anmutige Art und Weise wieder entfernt wurde.

Gegenüber spielte der Gastwirt am Geldspielautomat, nur darauf wartend, die letzten Gäste endlich loszuwerden. Sabi war eine immer noch äußerst attraktive Gefährtin aus seinen aktiven Studientagen, und ihm gegenüber eigentlich seit jeher sehr reserviert gewesen. Eigentlich. Heute schien sie alle moralische Schranken über Bord geworfen zu haben und aufs Ganze gehen zu wollen. „Na, Hefe, wie wäre es denn, wenn wir morgen zusammen frühstücken?“ schnurrte sie ihm ins Ohr. Grosse Ausspielung! Der Glücksspielapparat drüben ließ einen Tusch für den Wirt erklingen. Hefe´s Gehirn arbeitete fieberhaft. Jetzt noch ein geistreicher Spruch und die kleine Madame wäre mindestens für diese Nacht am Start. Sollte es gut laufen auch den ganzen nächsten Tag. Sollte er gar einen Lauf haben, dann eben noch ne Nacht.

Der Geldspielautomat musizierte immer noch nervtötend. „Halt ihn doch endlich an, Charlie!“ warf Hefe gereizt über den Tresen, und erschrak selbst über die Lautstärke seiner Bemerkung. Zu laut – jetzt war er aufgewacht. Recht verplant setzte er sich auf und legte sich geradewegs wieder hin. Sein Schädel, verdammt. Diabolisches Stechen im Kopf, dazu Erinnerungsfetzen an den Vorabend. Sabi. Von wegen. Mit Bier durchtränktes Stammtischgelalle bis zum Morgengrauen. Vermutlich – weil mal wieder keine genaueren Angaben über den Weg nach Hause oder etwa die Uhrzeit abrufbar.

Mann, aber dieser widerwärtige Automat hüpfte doch immer noch lautstark zwischen sechs und zwölf Supersonderspielen. Während der schier unerträglichen Ausübung des Augenöffnens dann die Erkenntnis, dass es sich beim Lärminitiator wohl um seinen Festnetzanschluss handelte. „Bin nicht zu Hause…“ erklärte er dem Telefon mit einer Stimme, die sich genauso anhörte wie sie auch schmerzte. Vergebens, das Schnurlose brüllte weiter zielbewusst mitten in den allergischen Kopf, verriet so aber wenigstens seinen Aufenthaltsort.

Hefe quälte sich aus dem Bett, traf auf Anhieb die Richtung zum Schreibtisch. Und auch den Stereo-Turm, der auf dem Boden stand. Er schluckte die Verwünschungen, die ihm auf der pelzigen Zunge lagen, zusammen mit fiesem Wodka-RedBull-Geschmack hinunter. O Gott, eben noch Sabi, Sahne, Sex; jetzt Kopfweh, Chaos, Körperqualen. Unfreiwilliges Gehirnzapping zwischen premiere und 9Live. Zuviel für einen … Samstag? Die Erlösung in Form des endlich gefundenen Telefons. Noch ein kurzes kratziges Räuspern zur Befreiung der teerbelegten Stimmbänder, dann den Anruf annehmen.

„Ja, Zimmerei Schaller?“ Die vorsichtige Variante. Die Frage nach dem Wochentag war schließlich noch nicht hinreichend geklärt. „Spreche ich mit Herrn Felix Schaller?“ fragte eine freundliche Frauenstimme. „Richtig.“ – „Herr Schaller, Sie sind von der Gesellschaft Madison49 per Computer im Zufallsprinzip aus über 60.000 Personen ausgewählt worden, an der einmaligen Chance einer Tippgemeinschaft für das Samstagslotto mit Gewinngarantien bis 250.000 Euro teilzunehmen...!“ Es folgte eine Kunstpause; wahrscheinlich Platz für sein Jubelgeschrei. Diese Unterbrechung galt es zu nutzen. „Ja, super, daran bin ich sehr interessiert! Warten Sie doch einen Moment, ich hole nur eben meine Frau hinzu.“

Mit diesen Worten legte er den Hörer auf den Schreibtisch, zog sich ein Hemd über und ging hinunter in die Küche. Mittlerweile hatte er wahrgenommen, dass heute Samstag war und er einen Tag zum relaxen hatte. Er freute sich nun auf die Tageszeitung und eine Tasse Kaffee.
Eine Tasse wohlgemerkt, denn er war ja nicht verheiratet.






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Dieter wurde nur Schlot genannt, wegen seines hemmungslosen Ernte23-Konsums. Er selbst fand das auch gut, Schlot klang einfach
fieser. Und ehrlich, Schlot wollte fies sein.

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Schlot warf die Türe geräuschvoll hinter sich ins Schloss.

Er war stinksauer, und die Wohnungstüre inzwischen arg in Mitleidenschaft gezogen.

Es lief hier in München zurzeit sowieso schon nicht besonders gut für Gauner seines Formats. Betrügereien an der Haustüre waren mittlerweile ebenso gefährlich wie ein Handtaschenklau in der Fußgängerzone. Wenn man dazu noch einen Trottel wie Sahako mit am Start hatte, ging man wohl besser gleich Geld verdienen. Ehrlich, kaum zu glauben, wie dieser Schwachkopf das nun wieder geschafft hatte. Komm Du nach Hause.

Es war eigentlich schon alles geregelt gewesen. Die verkalkte Alte hielt die nagelneu aussehenden Grünen sogar schon in der Hand, ehrlich; bis Sahako seinen Auftritt hatte und alles vermasselte. Sie waren wieder nach dem bewährten Schema vorgegangen, welches in den letzten Wochen erstaunlich gut funktioniert hatte. Erstaunlich, weil der Hohlkopf doch im Prinzip zu nichts zu gebrauchen war.

Er, Schlot, trug dabei den schwarzen Anzug, diesen weißschwarzen Kragen und seine fromme Kopfbedeckung. Die setzte er sich aber immer erst vor der Haustüre auf, bevor er klingelte. Draußen auf der Straße sah er nämlich bescheuert aus damit. Obwohl, wenn er frisch rasiert war, sah er sogar wirklich aus wie ein Geistlicher, ehrlich. Sahako war sein andächtiger Begleiter, und trug bei den Hausbesuchen immer die braune Cordhose und den Eigelb mit Tannengrün gestreiften Rollkragenpulli. Sah echt peinlich aus, aber Sahako schien es nicht zu kratzen, und der wesentlichen Sache war gedient.

Sie waren auch schon beide als Pfaffen verkleidet gegangen, doch einmal fing eine Großmutti an, Fragen zu dieser göttlichen Erscheinung an Sahako zu stellen. Und es war so verdammt schwierig gewesen, den Mist, den Sahako geantwortet hatte, wieder auszubügeln. Seitdem war Sahako nur noch sein weltlicher Gehilfe, dem man keine Fragen stellte, und der dadurch auch keinen weiteren Nebel ins Dunkel bringen konnte. Auf den Einfall mit dem „Jünger“ war Schlot besonders stolz, ein weiterer Beweis der geistigen Überlegenheit gegenüber seines Komplizen, der die untergeordnete Rolle klaglos annahm.

Zwei Tage lang hatte er also immer wieder diesen kleinen Hinterhof beobachtet, und die Alte belauert, die alleine in der Parterrewohnung hauste. ‚Gertrude Schick’ war auf dem Türschild zu lesen. Schlot war Oma Gerti am vergangenen Sonntag nach der heiligen Messe bis nach Hause gefolgt; der Kirchgang war ein wichtiger Punkt in seinem Auswahlverfahren.

Sie hatten dann wie immer mittags noch saure Leber bei Theo´s gegessen, sich anschließend umgezogen, die Unterlagen zusammengerafft, und getrennt die Wohnung verlassen. Schlot wollte ehrlich nix dem Zufall überlassen, reichte ja schon, wenn dieser Tölpel von Sahako…

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Wie zufällig waren sie also von zwei verschiedenen Seiten in den gemauerten Gang zum Hinterhof eingebogen, und im Schatten der Einfahrt setzte Schlot die alberne Mütze auf. Gemeinsam traten sie aus dem Durchlass nach innen, steuerten zielsicher auf die betagte Holztüre zu und klingelten Oma Gerti aus dem Mittagsschlaf.

Zuerst hörten sie überhaupt nichts; kein Rumoren, keine Schritte, keine Türen. Als Schlot ein gedämpftes Schlurfen im Hausgang hinter der Eingangstür vernahm, faltete er seine Hände. Sahako stand wie abgesprochen versetzt hinter ihm. Ein Rasseln und Klappern im Inneren verriet, dass sich die Alte wohl an der Türe zu schaffen machte. Diese öffnete sich dann auch langsam, bis zum Anschlag der Sicherheitskette, und in dem schmalen Spalt erschien das zerknitterte Gesicht von Oma Gerti unter einer Trockenhaube.

„Gelobt sei Jesus Christus, liebes Mütterlein!“ Ihre Miene erhellte sich. „In Ewigkeit, Amen…“ kam es krächzend und urbayerisch, und nach einem sämigen Räuspern: „Ja bitte, Hochwürden… Kommen´s doch herein!“ Sie entriegelte die Kette und öffnete die Tür. Na also, das war doch schon die halbe Miete. Schlot täuschte sich nicht, wenn er Menschen beobachtete, ehrlich, und das hier war ne ganz klare Bethure. Nach einer weiteren Aufforderung folgten sie ihr ins Wohnzimmer. Hier hing auch wieder überall dieser widerliche Altweiber-Geruch in der Luft. Schlot beschloss, nur noch durch den Mund zu atmen.

Auch Sahako hatte noch nichts falsch gemacht bis dahin, er war sowieso wieder ziemlich wortkarg heute. Gut so, dann konzentrierte er sich auf seine kleine Gastrolle nachher. Mit seinem leicht eingefallenen Schultern lief schlürfte er zwischen ihnen durch den Flur, betrat nach der Oma die Stube und blickte dann fragend zu ihm zurück.

„Gertrude, “ begann er, als er als letzter den Raum betreten hatte, und auch sie ihn schließlich fragend anblickte – wie zwei Mondkälber, muh, dachte Schlot, „Sie werden doch  bestimmt auch dabei sein, wenn uns jetzt dann der Heiland besucht.“

„Wer kimmt auf B´suach? Der Heiland?“ Bedächtiges, ungläubiges Kopfschütteln. „Ja, liebe Frau, der Sohn Gottes kommt, um die Sünden von uns zu nehmen. Sehen Sie denn gar nicht Fern? Es wird von fast nichts anderem berichtet!“ Er konnte diesen Bibelsenf nicht ausstehen, aber es schien einmal mehr zu wirken. Schon kämpften Zweifelsfalten auf Oma´s Stirn gegen die Altersrunzeln. Dann kam ein ratloses „Jessas…!“ Zeit, etwas deutlicher zu werden. „Die Gottesmutter Maria ist doch erschienen, drüben in der geweihten bayerischen Staatskanzlei, und hat uns den Erlöser angekündigt, im Angesicht von unserem CSU-Generalsekretär und Bezirksvorsitzenden. Am ersten Novembertag zu Allerheiligen wird er erscheinen im Maximilianeum!“

Oma ließ sich in ihren Lehnstuhl fallen, begleitet von einem „Jessas Maria…!“. Neben dem Stuhl stand ein Bastkorb mit allerlei bunten Stofffetzen und einem kleinen Köter darin, der sich daraufhin zum ersten Mal bewegte. Der Hund sah ehrlich so baufällig aus wie die Alte.

„So, in der Staatskanzlei…“ wiederholte sie, jedoch immer noch kritisch, „des konn i ja kaum glau´m!“

Jetzt kam der Punkt der Entscheidung, der Auftritt von Sahako wurde behutsam eingeläutet.

„Sehen Sie, gute Frau, wir haben ein schriftliches Dokument dabei, worauf die Worte des Herrn niedergeschrieben sind, die uns durch die Mutter Gottes erreichten. Mesner, öffne Deine Mappe!“ Sahako tat wie geheißen und schlug die Ledermappe auf, die so penetrant nach Weihrauch stank, dass es fast nicht auszuhalten war.

Auch hier war Sahako wieder weit über das Ziel hinausgeschossen. Die ganze Packung mit den Räucherhütchen hatte er darunter angezündet, so dass es in ihrer Bude über zwei Tage roch wie im Papamobil von Papst Benedikt.

Schlot beschloss, nur noch durch den Mund zu atmen.

Feierlich nahm Sahako ein Schreiben zur Hand und zitierte den Herrn: „Dankbar bin ich allen jenen, die mir folgen, darum segne ich sie. Ich segne auch jene, die wegen der menschlichen Klugheit vorsichtig sind. Mein Segen möge ihnen die geistigen Augen und das Herz öffnen, damit sie in der Weisheit Gottes sehend werden und glauben.“

Schlot nahm das Papier mit einer ebenso feierlichen Geste entgegen und hielt es ihr hin. „Also sprach der Sohn des Allmächtigen, und dieses Pergament ist notariell beglaubigt und versehen mit der Unterschrift unseres Landesvaters und Ministerpräsidenten Günther Beckste!n!“.

Der Hund begann zu knurren.

Oma Gerti nahm das Schriftstück andächtig in die eine Hand, mit der anderen setzte sie sich die Brille auf, die sie an einer Kordel um ihren Hals hängen hatte. „Soso, an Allerheiligen…“ sagte sie, als sie das Dokument gelesen hatte, welches am PC eines Internet-Cafés erstellt worden war. „Ja, und wos mach i dann jetzt, Herr Pfarrer?“ – Bingo! klingelte es in Schlots Gehirn, jetzt? jetzt bist Du mein, Großmütterlein. Und was sich reimt ist gut. „Liebste Frau Schick, wir wollen dem Herrn einen gebührenden Empfang bereiten. Dazu werden auch einige…“ Kunstpause „… weltliche Mittel benötigt. Den Blumenschmuck und die Gaben für die heilige Messe zu besorgen wird natürlich etwas Geld in Anspruch nehmen. Im Sinne unserer christlichen Partei dürfen wir bei frommen Gottesfürchtigen materielle Opfer entgegennehmen. So hat es unser Landesvater Beckste!n gestattet.“

Wieder knurrte der kleine Köter.

„Konn i praktisch was beitragen zur Mess´n?“ wollte Gerti wissen, nun schon mit sakralem Glanz in den Augen.

Du hast es kapiert, Oma! „So sei es.“

Schlot setzte zum großen Finale an, beugte sich dafür weiter zu ihr hinunter und sagte zwinkernd: „Und, frommes Weib, unter uns, bessere Aufwendungen ergeben bessere Sitzplätze im Maximilianeum bei der Erscheinung des Erlösers.“

Also hatte sich Gertrude Schick aufgemacht, ihre Keksdose zu plündern für die Ankunft des Allmächtigen. Und als sie mit dem kleinen Bündel Scheine zurück aus der Küche kam, das waren bestimmt über 300 Öcken, ehrlich, sagte Sahako: „Richtig so, gute Frau, Sie tun eben etwas für Gott und Herrn Beckste!n!“

Gesagt – und der altersschwache Kläffer unten am Boden verlor den Verstand.

Er sprang aus seinem Bastkorb, rannte auf Sahako zu und packte ihn an der Wade. Sahako ließ mit einem erschreckten Aufschrei die Ledermappe zu Boden fallen. Oma Gerti versuchte den Hund irgendwie zu beruhigen, doch hatte sie im entstandenen Durcheinander keine Chance. Sahako schüttelte sein Bein, schrie dabei, und holte alle Heiligen auf einmal vom Himmel herab. Auch Gerti fiel in das Zetern mit ein, der Köter winselknurrte lauter und biss dazu anscheinend fester. Die Stimmlage des Messdieners wurde höher, das Beinschütteln intensiver, und mit einem finalen Jaulen, begleitet von Sahakos „Sakraments-Kläffer, gottverschissener!“ flog der kleine Teufel wie ein perfekt geworfener Putzlappen durch das Wohnzimmer. Das Jaulen verstummte, als der tierische Putzlappen direkt unter dem Herrgottswinkel einschlug.

„Edmund…“ stammelte Gerti aufgeregt auf dem Weg durch das Zimmer, „wos is mit Dir?“ Edmund winselte leise. „Seid´s ihr narrisch?“ keifte sie sofort hinter ihren Rücken, „ich ruf die Gendarmen!“

Schlot warf einen letzten sehnsüchtigen Blick auf das Geld in ihrer Hand, und nahm dann die Beine in seine selbigen. Im Flur schon riss er sich die alberne Kopfbedeckung herunter, passierte eilig die Haustüre, und rannte noch durch den Hinterhof bis zum Durchgang. Erst dann drosselte er sein Tempo und entschwand dem eben gebotenen Szenario schnellen Schrittes.

Sahako? Dieser Hohlkopf, ehrlich!






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